Wie alles begann

Die Historiker sind sich seit Jahrzehnten uneinig. War es tatsächlich der umtriebige Geschäftsmann Guillaume Barthlémy Château, der Louis Le Vau an einem lauen Juliabend im Jahre 1665 während eines Aufenthaltes auf Schloss Marschlins im bündnerischen Igis die zündende Idee gab, aus Louis XIII. kleinem Jagdhaus in Versailles einen veritablen Palast zu bauen. Einen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Nicht zuletzt, um Kritiker und Spötter wie den Höfling Marquis François de Bassompierre am Hofe des französischen Königs ein für allemal zum Schweigen zu bringen.

Nun denn…Dieser historische Diskurs ist ebenso wenig belegt, wie die Tatsache, dass die Geschichtsgelehrten sich heute noch streiten, ob Guillaume Barthlémy Château (1630 – 1683) seinen späteren Geschäftspartner, den drei Jahre älteren Kaufmann Philibert Hippolyte DuMaison (1627 – 1683) tatsächlich erst Ende Juli 1665 getroffen, oder aber, ob er mit ihm zusammen bereits als junger Mann im sagenumrankten «Régiment des Gardes Suisses et Grisons»(5) dem französischen König, Louis XIII. gedient hatte.

Sicher ist: der weltgewandte DuMaison aus der Ambassadorenstadt Solothurn soll damals dem Hausherrn auf Schloss Marschlins, Feldmarschall Ulysses von Salis-Marschlins(6), seine Dienste als Haus- und Hofverwalter für die ausgedehnten Bündner Güter der Familie von Salis angeboten haben.

Das alles tönt zwar durchaus glaubhaft, ist jedoch nach rund 350 Jahren nur noch schwer überprüfbar, da die historischen Quellen dazu schlicht fehlen oder in den Untiefen der Geschichte verschollen sind. Verbürgt ist aber – und das belegen die historischen Gästebücher der Familie von Salis – dass Guillaume Barthlémy Château damals auf seinem Weg nach Bologna tatsächlich in Igis auf Schloss Marschlins Halt machte.

Er war – so lautet die Überlieferung – unterwegs, um mit Dom-Baumeister Agostino Barelli(7) eine mögliche Zusammenarbeit beim Bau des Schlosses Nymphenburg in München zu diskutieren. Der italienische Baumeister hatte den Auftrag vom Kurfürsten Ferdinand Maria(8) erst 1664 erhalten und Château sah die Möglichkeit, sich beim Geschenk des bayrischen Kurfürsten an seine Frau Adelheid, schon von der Planung weg gewisse Meriten und ein paar Taler zu sichern. Indes, dazu kam es offenbar nie.

Weder reiste Château nach Bologna, noch nahm Ulysses von Salis den gewieften und eloquenten, mehrsprachigen Solothurner Philibert DuMaison in seine Dienste auf. Aber, diese Julinacht anno 1665 führte dafür zwei erfolgreiche Geschäftsleute schicksalshaft zusammen. Zwei umtriebige Kaufleute und Händler, die es mit ihrer Eloquenz, ihrer Weltoffenheit und ihrer sprichwörtlichen Geradlinigkeit im damals noch sehr jungen Handel mit Immobilien zu Ruhm und Ehre bringen sollten.

Weder Château noch DuMaison vergassen trotz allen Erfolges – so wird berichtet – nie, dass sie ihren Aufstieg vom einfachen Söldner zum Offizier und Weltbürger nur dem Reisläufertum unter französischer Flagge, resp. Louis XIII., zu verdanken hatten. Sowie selbstredend ihrer Leidenschaft für Immobilien und ihrem Können.

«Sie hendt das Herz uf dem rechta Fleck, sint nienen nit faltsch» schrieb der Bündner Historiker und Chronist Bartholomäus Anhorn der Jüngere (9) bereits zu Lebzeiten der beiden in einer seiner Schriften. Damals eine Art Ritterschlag für die zwei Geschäftsleute. Der Rat: «Geh’ doch zu Château und DuMaison», ging in den Patrizier- und Adelshäusern des damaligen Europa landauf und landab. Von St. Petersburg bis nach London und darüber hinaus wurden sie in den höchsten Tönen gelobt. Nicht wenige behaupteten später, der Ausspruch «my home is my castle» sei auf Chateau et DuMaison zurück zu führen, was natürlich so nicht stimmen kann.

Nachgewiesener Massen versuchten die beiden Unternehmer aber, den Anbau von Kartoffeln im Bündnerland (10) dem Hause von Salis bereits 1665 und danach beliebt zu machen. Fünfzig Jahre lang, bis 1717 jedoch, sollte die Kartoffel in Graubünden trotzdem weiterhin – wie in Basel und Glarus –  als schlichte Gartenpflanze ihr Dasein fristen (10).  Château  und DuMaison regten weiter schon Ende des 17. Jahrhunderts den Bau eines «bequemen Kurbades vor derTaminaschlucht» (11) (Bad Ragaz) an. Lange bevor Bernhard Simon-Schugart sich daran machte, dem kleinen Ort zur Blüte zu verhelfen.  Sie versuchten auch, verschiedenen Stadtvätern ihrer Zeit die uralte Idee der«Insulae» (12) schmackhaft zu machen. Damals viel zu revolutionär und visonär. Man hatte in dieser Zeit schlicht andere Probleme und diese Idee sollte in Schweizer Städten erst im Zeitalter der Industrialisierung wieder aufkommen.

Die unglaubliche Geschichte der zwei umtriebigen Kaufleute endete standesgemäss. Nämlich absolut spektakulär und letztlich im «Nebel des Vergessens». Irgendwann zwischen Juni und August 1683 verschwanden die zwei Kaufleute auf mysteriöse Weise. Guillaume Château und Philibert DuMaison waren in der kaiserlichen Residenzstadt Wien geschäftlich unterwegs, um sich Objekte (Häuser) entlang der Bernsteinstrasse (13) zu sichern. Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter gewählt sein können. Als Pascha Kara Mustafa (14) mit seinen osmanischen Truppen auf die Stadt Wien zu marschierte und 40‘000 Krimtataren als Vorhut marodierend in Österreich-Ungarn einfielen, ging für ein paar Tage und Wochen alles drunter und drüber. Der Habsburger Kaiser Leopold I. mit seinen Lieben – und mit ihm über 80‘000 Einwohner der Residenzstadt – flüchteten  Anfang Juli 1683 als über Kopf aus Wien. Unter Ihnen – den letzten Eildepeschen an die Familie DuMaison zufolge – auch Guillaume Château und PhilibertDuMaison in ihrer vierplätzigen Berline (Berliner Kalesche) mit dem markanten, bordeauxroten Wappen an der schwarz lackierten Kabinentüre. Diese bequeme und damals noch revolutionäre Reisekutsche war ein Geschenk des Erfinders, Philipp de Chiese(15), für geleistete Dienste der beiden am brandenburgischen Hof. De Chiese, der bis zu seinem Tod in den Diensten des Kurfürsten von Brandenburg stand, war nicht nur ein Freund der beiden Geschäftsleute, sondern auch Patenokel von DuMaisons Tochter. Die letzte Depesche an Arielle Pulcherie DuMaison, von der noch Fragmente bestehen („…terrible et dangereux. On fuit maintenant les musulmans qui attaquaient Vienne, ma Chère. Pas de soucis, nous sommes en securité et les Gardes royales nous protègent bien. On va prendre le trajet vers Melk, Linz, Passau avec son Majésté Leopold I. et nous espérons d’être à la maison dans quelques semaines. Grand câlin aussi à ma…“). Diese Textpassage stammt vom 2. Juli 1683, einen Tag, nach dem historischen Gefecht bei Petronell (16), und es ist bis heute das letzte Lebenszeichen der beiden. Von da weg waren und blieben die beiden Familienväter verschollen.

In der Folge lag diese unglaubliche Geschichte Jahrhunderte lamg verborgen im «Nebel des Vergessens». Bis sie schliesslich im Sommer 2016 wieder zum Leben erweckt wurde. …und sei es nur, um die Geschichte neu fortschreiben zu können.

«Château et DuMaison» sind somit sprichwörtlich aus der Asche der Vergangenheit ins 21. Jahrhundert emporgestiegen. Den Anspruch, für Käufer und Kunden mit viel Leidenschaft und Können Unmögliches möglich zu machen (oder es zumindest zu versuchen), haben auch wir. Zudem haben wir eines mit unseren Gründern gemeinsam. Wir gehen teilweise neue Wege und nutzen dabei nicht nur die Errungenschaften der Zeit, sondern auch zukunfstweisende Verfahren und Technologien.

«Chateau et DuMaison – Leidenschaft und Können für Immobilien aller Art   (…vielleicht seit 1665)».

Legende zu den Fussnoten / Literaturnachweis:
(1) Louis Le Vau (auch Levau; * 1612 in Paris; † 11. Oktober 1670 in Paris) war ein französischer Baumeister, der in Paris lebte und unter anderem für König Ludwig XIV. und dessen Finanzminister Nicolas Fouquet arbeitete. 
(2) Das ehemalige Wasserschloss Marschlins liegt in der Ebene zirka einen Kilometer nordöstlich von Igis in der Gemeinde Landquart im Kanton Graubünden. 
(3) Ludwig XIII. (* 27. September 1601 in Fontainebleau; † 14. Mai 1643 in Saint- Germain-en-Laye) war von 1610 bis 1643 König von Frankreich und Navarra. Er trug den Beinamen Louis le Juste 
(4) François, marquis de Bassompierre (* 12. April 1579 in Haroué, Lothringen; † 12. Oktober 1646 in Provins) war ein französischer Höfling, Diplomat und Marschall von Frankreich. 
(5) Regiment der Schweizer und Graubündner Garden (französisch Régiment des Gardes Suisses et Grisons oder Gardes-suisses) war ein aus Schweizer Soldaten gebildetes Regiment der französischen königlichen Garden. Es trat seinen Dienst am 12. März 1616 an und wurde 1792 aufgelöst. 
(6) Ulysses von Salis (* 23. Juli 1594; † 3. Februar 1674 in Igis) war Bündner Offizier in französischen Diensten, später Landammann des Gerichts der Vier Dörfer. 
(7) Agostino Barelli (* 26. Oktober 1626 in Bologna; † 29. Januar 1697 ebenda) war ein italienischer Architekt und Baumeister. 
(8) Ferdinand Maria von Bayern, genannt der Friedliebende (* 31. Oktober 1636 in München; † 26. Mai 1679 in Schleißheim) war von 1651 bis zu seinem Tode Kurfürst von Bayern. 
(9) Bartholomäus Anhorn der Jüngere (* 17. Januar 1616 in Fläsch; † 6. Juli 1700 in Elsau) war ein evangelisch-reformierter Pfarrer und Historiker aus der Schweiz.
(10) 1717 wurden auf Schloss Marschlins bei Igis tatsächlich die ersten Kartoffeln und der erste Mais des Kantons Graubünden angebaut. „Die ersten Kartoffeln gelangten durch zurückkehrende Schweizer Gardisten verhältnismässig frühzeitig in die Schweiz, wo sie zuerst im Kanton Glarus und in Basel als Gartenpflanzen gehalten wurden. (…) Bei den Bauern stiessen aber die Ratschläge der fortschrittlichen Ökonomen zum Teil noch längere Zeit auf Widerstand. Eine Reihe von Missernten beim Getreide, die 1770/71 Hungersnot und Teuerung zur Folge hatten, verhalfen der Kartoffel als Hauptfrucht endgültig zum Durchbruch (…). Die Einführung und Ausbreitung der Kartoffel im Kanton Graubünden selber lässt sich anhand alter Aufzeichnungen ziemlich genau verfolgen. Die ersten Kartoffeln wurden im Jahre 1717 in Marschlins bei Landquart angepflanzt, aber nicht als Nahrungsmittel, sondern nur der Blüten wegen als Zierpflanze im Garten. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts spielte die Kartoffel im Kanton Graubünden weder als Ackerkultur noch als Nahrungsmittel eine Rolle.“  – Zitiert aus:  Wie die Kartoffel nach Graubünden kam A. Kaufmann Terra Grischuna, Nr. 1. 1964. Seite 23-26.
(11) Durch den Bau der Strasse ins Bad Pfäfers (1838/39) und die Herausleitung des 36.5 °C warmen Thermalwassers in den 1774 erstellten «Hof Ragaz» wurde Ragaz rund 150 Jahre nach Château et DuMaisons Verschwinden tatsächlich zum Badekurort. Zum Weltkurort hingegen wurde es erst durch Bernhard Simon (1816–1900) aus Niederurnen (GL) gemacht, der 1868 vom Kanton die Domäne Ragaz gekauft hatte. Zahlreiche Hotels und Pensionen entstanden, und eine ganze Reihe verschiedener Gewerbebetriebe etablierten sich im aufstrebenden Kurort. Nebst dem europäischen und russischen Adel kamen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Literatur nach Ragaz.
(12) Im engeren Sinne werden damit römische Mietshäuser bezeichnet. Zur Kaiserzeit lebten in der Stadt Rom über eine Million Menschen auf engem Raum. Wohnraum war knapp und teuer. So kamen römische Architekten auf die Idee, in die Höhe zu bauen. Es entstanden die sogenannten «Insulae» – Mietshäuser mit bis zu fünf oder sechs Geschossen.
(13) Als Bernsteinstraße werden verschiedene Handelswege des Altertums (Altstraßen) bezeichnet, auf denen (u. a.) Bernstein von der Nord- und Ostsee nach Süden in den Mittelmeerraum gelangte.
(14) Kara Mustafa Pascha (* 1634/35 in Marınca bei Merzifon, Eyâlet Sivas; † 25. Dezember 1683 in Belgrad) war unter der Regentschaft des Sultans Mehmed IV. Großwesir des Osmanischen Reiches und Oberbefehlshaber bei der Zweiten Belagerung Wiens zu Beginn des Großen Türkenkrieges.
(15) Der brandenburgische Baumeister Philip de Chiese gilt als Erfinder der „Berline“, einer in der Barockzeit sehr bekannten und bequemen Pferdekutsche. Er hatte dieses Transportmittel für sich entwickelt, um bequemer als mit den dahin genutzten Kutschen eine Fahrt im Auftrag des Kurfürsten von Brandenburg nach Paris durchführen zu können. Dieser Wagen zog unterwegs, abedr vorallem in der Stadt Paris eine derartige Aufmerksamkeit auf sich, das De Chiese sofort etliche Aufträge für einen Nachbau seiner „Berline“ erhielt. Er stellte in der Folge eine nicht genannte Zahl der zweispännigen Fahrzeuge her und exportierte diese unter anderem nach Frankreich, Schweden, Holland, Pollen und Russland. Ein Exemplar ging an De Chieses Schweizer Freunde aus Zeiten der Garde, an Guillaume Château und Philibert DuMaison.
(16) Am 1. Juli 1683 trafen die Osmanen unter Pascha Kara Mustafa auf ihrem Marsch gegen Wien bei Raab ein. Die ersten ungarischen Siedlungen hatten sich den Osmanen kampflos ergeben, während in Wien Graf von Starhemberg die ersten Massnahmen für die Verteidigung der Residenzstadt ergriffen und die Stadtmauern hatte verstärken lassen. Schon am 4. Juli standen die Osmanen an der österreichischen Grenze. Drei Tage darauf ritten 40’000 Krimtataren, sämtlichen Verteidigern im Land um Wien um mindestens das Doppelte überlegen, in das 40 Kilometer östlich von ien gelegene Petronell, wo die Truppen unter Karl V. von Lothringen die anstürmenden Türken in die Flucht schlugen. Nach diesem Gefecht verliessen Leopold I. von Habsburg und die Kaiserfamilie zusammen mit 80’000 Einwohnern die Residenzstadt Wien.
*Für die Geschichtsrecherche – eine schöne Geschichte – wurden verschiedene historische Quellen, aber auch Wikipedia beigezogen (siehe Fussnoten). Der Rest der Story um die Herren Château et DuMaison ist frei erfunden und bleibt geistiges Eigentum der Centennium Tigress Genossenschaft, resp. Peter Stephani. Jeglicher Nachdruck ohne Autorisierung ist untersagt.